Mir geht es wahrscheinlich wie den meisten von euch: Ich lese sehr gerne… und viel zu wenig!
Ich würde gerne mehr lesen, aber der Tag hat leider nur 24 Stunden. Bei den meisten Büchern bin ich in den letzten Jahren dazu übergangen, auf (ungekürzte) Hörbücher zurück zu greifen, nachdem mehrere Versuche auf eBooks umzusteigen nicht fruchteten. (Nichts ersetzt einfach das umblättern!) Hier auf jeden Fall die Liste der „verschlungenen“ Werke der ersten Hälfte dieses Jahres. Kinderbücher überwiegen, da ich den Kindern nahezu jeden Abend vor dem Einschlafen vorlese (… das gehört für mich einfach dazu, anders entdecken die wahrscheinlich sonst niemals eine Liebe zum geschriebenen Wort).
ROMANE
Steve Cavanagh – Zu wenig Zeit zum Sterben (Januar/Februar)
„Zu wenig Zeit zum Sterben“ ist ein rasanter Thriller, in dem Eddie Flynn eine Frau verteidigen muss, die angeblich ihren Ehemann ermordet hat – doch schnell zeigt sich, dass hinter dem Fall ein tödliches Komplott steckt. Während die Zeit gegen ihn läuft, deckt Flynn Schichten aus Lügen, Manipulation und Verrat auf, die weit über einen einfachen Mord hinausgehen.
Auf Cavanagh bin ich bereits vor einigen Jahren durch den (Social Media-)Veröffentlichungshype von „Thirteen“ gestoßen, das ich meiner Mutter dann sogar zu Weihnachten besorgt hatte. Vielleicht nicht ungewöhnlich, dass bei uns in Deutschland erst der vierte Teil einer laufenden Reihe veröffentlicht wird – für mich war das jedoch kein Grund „mittendrin“ anzufangen – und so hatte ich mir erstmal die ersten drei Bände als Hörbuch besorgt, wovon mich der erste („Zu wenig Zeit zu Sterben“) überzeugt hatte, weswegen ich dieses Jahr das zweite Buch konsumiert habe. Viele Wendungen, niemals langweilig – definitiv eine Empfehlung wert!
Nicolas Sparks & M. Night Shyamalan – Remain: Was von uns bleibt (Januar bis März)
„Remain: Was von uns bleibt“ erzählt die Geschichte zweier Menschen, die nach einem tragischen Verlust auf unerwartete Weise miteinander verbunden werden und lernen müssen, Schuld, Liebe und Erinnerung neu zu begreifen. Der Roman verbindet emotionale Tiefe mit einem Hauch Mystery, während beide Figuren herausfinden, was es bedeutet, jemanden wirklich loszulassen und trotzdem weiterzutragen.
Ich weiß noch, wie ich zum ersten Mal von der Kombination von Schnulzenautor Sparks und Sci-Fi-Filmemacher Shyamalan erfuhr und mir direkt dachte „Das kann doch gar nicht funktionieren“. Spoiler: Tut es auch nicht wirklich. Mit Sparks-Bücher habe ich keine Erfahrung, mit Filmen von Shyamalan hingegen schon. Offensichtlich kann hier keiner von beiden seine jeweiligen Stärken ausspielen, weil eine gruselige Liebegeschichte von zwei total unterschiedlichen Köchen nicht automatisch ein essbares Gericht ergibt. „Netter“ Ansatz – wahrscheinlich sogar bestmöglich ausgeführt, aber mich hat’s eher enttäuscht.
Caroline Schmitt – Monstergott (März bis April)
„Monstergott“ ist ein intensiver, literarischer Roman über Trauma, Gewalt und die Frage, wie man mit einer Kindheit überlebt, die von religiösem Fanatismus und Missbrauch geprägt ist. Caroline Schmitt erzählt schonungslos und poetisch zugleich, wie eine junge Frau versucht, sich aus den Schatten ihrer Vergangenheit zu lösen und eine eigene Identität jenseits des erlebten Schmerzes zu finden.
Hier haben mit einem „Fundstück“ aus meiner örtlichen Bücherei zu tun – bzw. der schlauen Präsentation der Neuanschaffungen. Von alleine wäre ich sonst wohl niemals auf diesen Titel gestoßen. Interessantes Drama über religiösen Wahn, die Verunglimpfung von Homosexualität in der Glaubensgemeinschaft und toxische Maskulinität. Lässt sich sehr gut lesen und stimmt fast etwas traurig, wenn das Buch beendet ist (Kennt ihr das? Man würde halt einfach gerne weiterlesen.).
Martha Wells – Tagebuch eines Killerbots (Mai)
„Tagebuch eines Killerbots“ erzählt von einem Sicherheitsroboter, der sich selbst gehackt hat, um frei zu sein, aber trotzdem widerwillig Menschen beschützt, während er eigentlich nur Serien streamen möchte. Mit trockenem Humor schildert er, wie er in gefährliche Missionen gerät und dabei immer mehr über sich selbst und seine eigene Persönlichkeit herausfindet.
Ich muss zwar öfters mal an das Buch zurück denken, dass ich eigentlich nur gelesen habe, weil Apple die Story als Serie verfilmt hat (und ich gerne bei sowas erst die Buchvorlage gelesen habe) – aber trotzdem hat es Martha Wells mit dem Erstling der Reihe nicht geschafft, mich dazu zu animieren, weitere Werke anzugehen (Die Serie habe ich übrigens auch noch nicht geschaut). Nette Story, aber nicht sonderlich deep. Kein schlechtes Buch, aber halt auch keines, dass man (meiner Meinung nach) gelesen haben sollte.
John Irving – Königin Esther (April bis Mai)
„Königin Esther“ erzählt die Geschichte des jungen Jimmy Winslow, der in den 1960ern von New Hampshire nach Wien geschickt wird, um Vater zu werden und zugleich den Spuren seiner leiblichen Mutter Esther Nacht zu folgen. Dabei erlebt er eine emotionale und politische Achterbahnfahrt über Kontinente hinweg—voller großer Gefühle, verrückter Pläne und der Frage, wie Herkunft, Identität und Familie zusammenpassen.
Zuviel Vorfreunde sorgt manchmal dafür, dass man am Ende leicht enttäuscht ist. Ging mir bereits beim letzten Irving so, dabei war das („Der letzte Sessellift“) genauso wenig wie dieses Werk hier schlecht – im Gegenteil. Wer John Irving liest, weiß – zumindest in den letzten Jahren – genau was ihn erwartet: Ringer, aufkeimende Sexualität, jüdische Eigenheiten und irgendwer ist immer andersartig sexuell und muss sein wahres Leben vor der Gesellschaft verstecken. Soweit, so Irving. „Königin Esther“ ist zwar kein „Hotel New Hampshire“, aber…. es ist ein Irving und daher immer lesenswert! (Defacto glaube ich nicht, dass Irving auch nur ein schlechtes Buch geschrieben hat).
SACHBÜCHER
Diane Hielscher – Sei glücklich, älter wirst Du sowieso (März)
„Sei glücklich, älter wirst du sowieso“ ist ein humorvolles, leichtes Sachbuch darüber, wie man das Älterwerden entspannter, freundlicher und mit mehr Gelassenheit betrachtet. Diane Hielscher verbindet Alltagssituationen, Selbstironie und kleine Denkanstöße, um zu zeigen, dass Glück weniger vom Alter abhängt als von der eigenen Haltung.
Das war ein richtig gutes Buch! Nicht, dass sonderlich viel hängen geblieben wäre – aber das liegt eher an meinem löchrigen Hirn, als an der Autorin, die das Thema wirklich äußert symphatisch aufgreift und einen unheimlich tollen Schreibstil hat. Mehr davon!
Bonner & Weiss – Wir Kassettenkinder (April und Mai)
„Wir Kassettenkinder“ ist ein nostalgisches Sachbuch über das Aufwachsen in den 80ern und frühen 90ern, als Musik, Hörspiele, Videotheken und analoge Abenteuer den Alltag prägten. Bonner & Weiss erzählen warm, humorvoll und sehr persönlich davon, wie Mixtapes, Walkman, Ferienfreizeiten und die ersten popkulturellen Obsessionen eine ganze Generation geprägt haben.
Ebenfalls ein tolles Buch – zumindest wenn man die Zeit durchlebt hat und einen Flashback nach dem anderen erleben möchte. Schon alleine, weil es (zu) wenig Bücher dieser Zeit gibt, werde ich das nicht zum letzten Mal gelesen haben.
KINDER-/VORLESEBÜCHER
Margit Auer – Die Schule der Magischen Tiere Band 2/3/4/5 (zwischen Februar und Juni)
In Band 2 (Voller Löcher!) freut sich Ida auf den Besuch ihrer besten Freundin Miriam, während die Klasse ein Robin‑Hood‑Theaterstück probt und mysteriöse Löcher auf dem Schulhof sowie ein strenger Großvater für zusätzliche Aufregung sorgen. In Band 3 (Licht aus!) steht eine Lesenacht mit Stromausfällen, Mutproben und Eddie’s neuem magischen Tier Eugenia im Mittelpunkt, während Ida versucht, einen geliebten Kastanienbaum vor der Fällung zu retten. Band 4 (Abgefahren!) begleitet die Klasse auf eine chaotische Klassenfahrt voller kleiner Katastrophen, Freundschaftsdramen und Situationen, in denen die magischen Tiere ihren Partnern Mut machen oder sie charmant ins Chaos stürzen. In Band 5 (Top oder Flop!) bereiten sich die Kinder auf eine große Talentshow vor, bei der sie mit Hilfe ihrer magischen Tiere herausfinden, was wirklich in ihnen steckt und ob sie sich trauen, selbstbewusst auf der Bühne zu stehen.
Die meiste Zeit des Halbjahres haben meine Söhne und ich in der Wintersteinschule verbracht. Ähnlich wie die (offensichtlich niemals endenden) „Sams“-Bücher von Paul Maar sind die Abenteuer der Magischen Tieren und deren Menschenfreunde inzwischen ein echtes „guilty pleasure“ zur abendlichen Vorlesezeit bei uns drei geworden. Dabei sind die Bücher durch die Bank auch allesamt relativ gut zu lesen, nie langweilg und nahe immer wird bei uns um „nur noch ein weiteres Kapitel“ vor dem Schlafengehen gebettelt. Das leicht medienkritische „Top oder Flop!“ gefiel mir von den hier genannten Werken besonders gut.
Astrid Lindgren – Pippi Langstrumpf (März) & Pippi Langstrumpf geht an Bord (Juni)
Der Kinderbuchklassiker erzählt von einem freiheitsliebenden, superstarken Mädchen, das ohne Erwachsene lebt und mit Fantasie, Mut und völliger Unabhängigkeit den Alltag auf den Kopf stellt. Gemeinsam mit ihren Freunden Tommy und Annika erlebt sie wilde, humorvolle Abenteuer, die zeigen, wie befreiend es ist, anders zu sein. Der zweite Pippi-Roman erzählt, wie Pippi gemeinsam mit Tommy und Annika neue Abenteuer erlebt, als ihr Vater – der Südseekönig – zurückkehrt und sie einlädt, mit ihm auf große Fahrt zu gehen. Während die Freunde zwischen Abschied, Freiheit und Fernweh schwanken, zeigt Pippi einmal mehr, wie mutig, unabhängig und herzenswarm sie ist.
Faszinierend wie gut Pippi Langstrumpf sowohl in Buch- als auch in der klassischen TV-Form (natürlich die Originalversion mit Inger Nilsson als Pippi) auch heute noch funktioniert – auch wenn man hier vorsichtig sein muss, was die unterschiedlichen Fassungen angeht. War ich früher noch ein Verfechter der „Lass die Zensurfinger von unseren Kinderbüchern!“ fand ich es bei den in der Bibliothek geliehenen E-Book-Fassungen (!) schon befremdlich, jedes Mal das N-Wort in den „Südseekönig“ umtexten zu müssen (Noch schwieriger wird es bei der selbstverständlich ungetasteten Synchronfassung der TV-Serie – aber das ist eine andere Geschichte!). Natürlich „war das eine andere Zeit“, aber….. (Pünktchen, Pünktchen, Pünktchen! ;-))
Kirsten Boie – Machmal ist Jonas ein Löwe (April)
„Manchmal ist Jonas ein Löwe“ erzählt von einem Jungen, der sich in schwierigen Momenten wie ein Löwe fühlt und lernt, mit seinen starken Gefühlen umzugehen, während seine Familie und Freunde ihm zeigen, dass Mut viele Formen haben kann.
Das Buch war eine Notlösung in der Onleihe der Stadtbücherei, nachdem zum Vorlesezeitpunkt weder ein Pippi-, ein Sams- oder ein Magische Tiere-Buch verfügbar waren. Als solches hat es aber gut funktioniert war natürlich besonders für meinen namensgleichen Älteren interessant. Empfehlenswert!
Alice Pantermüller – Mein Lotta-Leben: Alles voller Kaninchen (April)
„Mein Lotta‑Leben: Alles voller Kaninchen“ erzählt von Lotta, deren Alltag komplett durcheinandergerät, als plötzlich überall Kaninchen auftauchen und sie gemeinsam mit ihrer besten Freundin Cheyenne versucht, das Chaos mit Humor, Fantasie und einer guten Portion Lotta‑Chaos zu meistern.
Während mich die Lotta-Reihe bereits mit diesem Buch abholte, ist der Funke bei meinen beiden Jungs leider nicht übergesprungen (die Reihe umfasst inzwischen auch zahlreiche Werke und Verfilmungen). Mal schauen, ob wir uns in den nächsten Monaten doch noch mal an ein weiteres Buch der Reihe heranwagen werden. Ich fands gut geschrieben, wenn auch zu stark bebildert – aber soll halt auch Erstleser ansprechen und ist eigentlich kein klassisches Vorlesebuch.
Paul Maar – Onkel Alwin und das Sams (Mai bis Juni)
„Onkel Alwin und das Sams“ erzählt von einem schüchternen Jungen, dessen Leben völlig durcheinandergerät, als das freche, wunschstarke Sams bei seinem Onkel auftaucht und mit seinen blauen Punkten jede Menge chaotische, lustige Abenteuer auslöst.
Erstaunlich umfangreiches und auch fast schon ernstes Sams-Buch, weswegen Maar in folgenden Teilen (zumindest jenen, die wir im zweiten Halbjahr schon gelesen haben) wieder auf die Grundgeschichte der ersten beiden Bücher zurückgreift – mehr dazu aber Ende 2026 bei der nächsten Auflistung ;-). „Onkel Alwin“ stellt auch jeden Fall den (vorläufigen?) Abschluss der zweiten Taschenbier-Generation-Trilogie dar. Wer bereits die Vorgänger gelesen hat, macht mit dem Vorlesen hier garantiert nichts falsch (… und zugegebenermaßen ist mir das Sams mit der Zeit auch richtig ans Herz gewachsen).
Disclaimer: Die kurzen Zusammenfassungen der entsprechenden Werke hier (jeweils zwei Sätze zu jedem Buch) habe ich mithilfe von K.I. erstellt. Die jeweilige Rezension hierzu stammt natürlich 100% von mir.
